Dienstag, 14. Oktober 2014

Das unerreichbare Essen






Als Empfang auf der Station erhalte ich einen Morgenmantel zur Verfügung, frische Handtücher, Waschutensilien, Tageszeitung, Um es vorweg zu nehmen: Am folgenden Morgen wird all dies gegen neues Material ausgewechselt.  Auf meinen Hinweishin wird nun endlich das Blutabnahmebesteck von meinem Unterarm entfernt.

Was unverändert ist, ist die Visite. Auch hier, in der ersten Klasse, ist keine Zeit für einen Händedruck und eine Zwischenfrage wird mit einem ungeduldigen Stirnrunzeln entgegen genommen. Ich fand die Frage nach dem Zeithorizont der Behandlungsdauer und einer evtl-Reha-Dauer wichtig. Der Oberarzt meinte dazu unwirsch, so etwas könnte ich auch mit der Therapeutin besprechen. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob dies in meinem Versicherungsvertrag mit „Behandlung durch Chefarzt“ wirklich gemeint ist. Aber warten wir mal die folgenden Tage ab.

Der nächste Tag
Irgendwann stehen auf dem Besuchertisch zwei Teller mit je einem Stück Kuchen. Unerreichbar für mich „Unbeweglichen“, ist aber lecker anzuschauen! Kein Getränk dazu.

Um 14.00 Krankengymnastikerin kommt. Ich zeige ihr die rote, juckenden Stellen am Unterrücken. Sie reibt kurz mit Fenistil- Creme ein und meldet es dem Personal, da es fachlich zu dessen Aufgabengebiet gehört.
Ich betätige den roten Rufknopf um einen Kaffe zum Kuchen zu erhalten. Es kommt niemand.
Ich stehe auf und bewege mit dem Rollator zum Schwesternzimmer, um meinen Kaffe selber zu holen.
Ich mache im Schwesternzimmer darauf aufmerksam, dass evtl. das Hinweislämpchen über der Zimmertür nicht brennt, nachdem ich den Alarmknopf betätigt habe.
„Wir kümmern uns drum“
Es ist zwischenzeitlich 15.50 und ich habe keinen Kaffe. Ich versuche es nochmal im Schwesternzimmer. Der Kaffe kommt.
„Soll ich den Kaffe zum Kuchen stellen?
Nein, ich darf nicht sitzen, stellen sie ihn hier auf den Nachttisch.“
„Da ist alles voll“
„Dann räumen sie doch etwas ab, um Platz zu schaffen!“
Auf dem Nachttisch wird Platz für 1 Tasse Kaffe und einen Tellermit Kuchen geschaffen und ich kann mich wieder hinlegen und Kaffe und Kuchen geniessen.
Es ist 16.15 und heute scheinbar keine Visite durchgeführt zu werden.  Wegen dem Juckreiz und dem evtl. nicht funktionierenden Alarmknopf hat sich bisher niemand gemeldet.
Um 17.00 immer noch keine Visite.
Als das Abendessen gebracht wird, frage ich nach, ob sich jemand meinen Rücken anschaut.
Um 18.00 kommt ein junger Arzt und schaut kurz nach.
„Derartige Nebenwirkungen der Ihnen verabreichten Medikamente sind mir nicht bekannt. Sie bekommen jetzt ein Mittel gegen Juckreiz, dann sehen wir weiter.“, meint er.
Er dreht sich um und verlässt mein Zimmer ohne einen Ton. Kein „Auf Wiedersehen“, kein „Alles Gute“ oder gar ein „Gute Besserung“.  Jetzt habe ich bereits den zweiten extrem unfreundlichen Arzt hier im Spital erlebt. Es wird höchste Zeit, dass ich gesund werde!
Es ist 18.30 und keine Visite.
Um 18.50 wird mir Fenistil gebracht. Es wird mir ausgehändigt und Ich creme mich selber damit ein.
Vor der Nachruhe weise ich nochmals auf den defekten Alarmknopf hin. Zwei stationsschwesternbegutachten die Angelegenheit und meinen mit einstimmigen Kopfnicken:“ Kaputt!“
Ein Ersatzgerät wird gebracht und angeschlossen. Na. Also! Ich bin beruhigt.

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