Montag, 20. Oktober 2014

Der nächste Tag Freitag



Der nächste Tag, Freitag
Der Tages-Plan:
Freitag 0730 Uhr Krankengymnastik
Samstag: Leer
Sonntag: Leer
Montag beginn 0645 bis 17 Diverses bis hin zu Hilfsmittelberatung und Ernährungsvortrag.

Die Krankengymnastik: Ich erhalte ein Bettlaken und ein kleines Plastiklaken sowie einen freien Platz im Spind für diese zwei Utensilien.
Wir gehen in ein anderes Zimmer und ich darf das Laken über der Behandlungsliege ausbreiten. Der Therapeut schaut interessiert zu.
„Setzen sie sich dahin auf die Liege.“
„Sie wissen aber, dass ich Sitzen möglichst vermeiden soll?“
„Ach so. Dann legen sie sich auf den Rücken.“, meint er flexibel.
Der Therapeut befragt mich kurz. Er wusste offensichtlich nicht, welcher Art meine Verletzung ist, was ich gemäss überweisenden Arzt keinesfalls darf etc..
„Gebrochen? Ohje! Ja wirklich nicht nur angebrochen?“
Ich hatte eigentlich erwartet, dass er das alles bereits wüsste und so die Art der Therapie für mich gezielt geplant hatte.
Nun weiss er es und schaut aus dem Fenster in die Ferne. Er denkt offensichtlich intensiv nach.
Nun legt er einen Schaumgummiball zwischen meine angewinkelten Beine und ich muss den Ball abwechselnd mit der einen Hand gegen die andre drücken. Zeitweise sagt er „halten“ und  dann überlässt es  mir, wie stark und wie lange ich drücken soll. Er sitzt neben mir und ich höre ihn zwischendurch gähnen. Andere Therapien scheinen offensichtlich interessanter zu sein. Für mich wäre es bereit interessant zu hören, ob ich die Übung richtig ausführe, wie oft ich diese Übung machen soll, wie lange ich den Druck halten soll. Und wenn er dann etwas sagt,  wüsste ich auch, ob er mir nicht vor Langeweile vom Hocker fliegt.
Noch zwei kleine Übungen und wir sind fertig. Zehn minuten sind vorbei. Ob ich diese Übungen in den nächsten Tagen alleine ausführen soll erfahre ich nicht.

Jetzt, zum Schluss, übertrifft er sich dann aber selber: Ich muss meine Schuhe wieder anziehen und gehe hierzu in die Knie. Als  er dies bemerkt, holt er mir einen Schuhlöffel aus der Ecke. Jetzt kann ich mit dem gebogenen Teil des Löffels meine Schuhe vom Boden hochheben und öffnen. Dann wieder auf den Boden stellen und mit Hilfe des Schuhlöffeln und den Schuh gleiten. Jetzt kann ich mühevoll die Schuhe binden. Der Therapeut schaut mir interessiert zu. Wenigstens besitzt er soviel Anstand, diesmal nicht zu gähnen. Helfen oder Hilfe anzubieten steht wahrscheinlich nicht auf seiner Jobbeschreibung.
Er begleitet mich zur Tür und mit einem „auf Wiedersehen“ habe ich meine erste Therapiestunde hinter mich gebracht.

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